Herzlich Willkommen auf der Internetseite des Bürgerschützen- und Heimatvereins Jüchen
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Die Geschichte Jüchen`s

Die ältesten Hinweise auf die Anwesenheit von Menschen im heutigenGemeindegebiet reichen zurück in die mittlere Steinzeit, dem Mesolithikum. Funde, die in die Zeit zwischen 8000 und 5500 v. Chr. zu datieren sind, darunter zahlreiche Steingeräte wie kleine Pfeilspitzen und Harpunen, belegen, daß die Menschen zu dieser Zeit ihre Nahrung vor allem noch als Jäger und Sammler erwarben, die sie auf oft weitenWanderungen suchten. Erst in der Jungsteinzeit, dem Neolithikum, wurden die Menschen seßhafte Bauern, die von Ackerbau und Viehzucht lebten. Etwa im 6. Jahrtausend v. Chr. begannen sie auch im heutigen Gemeindegebiet, den Wald zu roden, Getreide anzubauen und Haustiere zu halten. Nach dem vorherrschenden Ornament, mit dem sie ihre Tongefäße verzierten, nennt man sie Bandkeramiker. Siedlungsspuren, Gefäßreste und Steingeräte dieser bandkeramischen Kultur sind fast überall im heutigen Gemeindegebiet gefunden worden. Die Menschen lebten zur damaligen Zeit in geräumigen Holzhäusern mit Wänden aus Flechtwerk, das mit Lehm abgedichtet wurde. Etwa in der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. verbreitete sich die Technik, aus Kupfer und Zinn einen neuen Werkstoff, die Bronze, zu schaffen, langsam vom Orient her über Westeuropa. Allerdings sind Funde aus dieser Zeit im niederrheinischen Raum sehr selten, da Geräte oder Waffen aus Bronze wertvoll waren und nach Abnutzung oder Beschädigung immer wieder eingeschmolzen und für neue Geräte wiederverwendet wurden. Gleiches gilt auch für die darauffolgende Epoche, die Eisenzeit, die etwa 750 v. Chr. einsetzte.

Die weitere Geschichte Jüchens in den nächsten Jahrhunderten liegt weitgehend im Dunkeln, da aus dieser Zeit kaum Urkunden überliefert sind. Selbst der Zeitraum, in dem die erste Kirche in Jüchen gebaut wurde, ist unbekannt. Das Patrozinium St. Jakob läßt eine Entstehung im 11. Jahrhundert möglich erscheinen. Sicher ist jedoch, daß Jüchen 1222 eine selbständige Pfarrei war, denn der Prümer Alt-Abt Cäsarius von Myllendonk erwähnt in seiner Abschrift des Prümer Güterverzeichnisses, daß die Kirche in Jüchen dem Kloster Prüm gehörte und dem Grafen von Sayn das Recht zustehe, den Pfarrer zu bestimmen. Der erste namentlich überlieferte Pfarrer der Jüchener Kirche ist der 1237 erwähnte Widekind. 1222 hatte Abt Cäsarius in einer Notiz zum Prümer Güterverzeichnis vermerkt, daß der Jüchener Hofverband an den Grafen von Sayn als Lehen übertragen worden sei und von diesem an den Herrn von Myllendonk weiterverlehnt worden sei. Diesen Besitz, der dem Kloster nur noch dem Namen nach gehörte, verkaufte Gerlach von Myllendonk am 2. April 1274 an den Kölner Erzbischof Engelbert von Falkenburg. Die Kölner Erzbischöfe konnten sich des Jüchener Besitzes nicht lange erfreuen, denn die Grafen von Jülich bestritten die Rechtmäßigkeit der Myllendonker Verkäufe von 1274 und reklamierten eigene Rechte. Auf welche Rechtstitel sich die Jülicher allerdings beriefen, konnte bislang nicht zweifelsfrei geklärt werden.
Waren das 16. und 17. Jahrhundert von Reformation, Gegenreformation und Glaubenskriegen gekennzeichnet, verlief das 18. Jahrhundert, von einigen Truppendurchzügen während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) abgesehen, in Jüchen weitgehend friedlich. Dennoch hinterließ das 18. Jahrhundert seine Spuren in Jüchen. Am 7. August 1705 wütete ein Unwetter in Jüchen, das die Feldfrüchte größtenteils zerschlug, Häuser zerstörte und den Turmhelm der katholischen Kirche umwarf, der auf Mittel- und Nordschiff sowie den Chor der Kirche fiel und diese zerstörte. Der Wiederaufbau konnte erst nach und nach bis 1737 ausgeführt werden. 1706 ließ der Jüchener Vogt Paulus Katz auf dem Gelände der um 1700 abgebrochenen Burg des Junkers Klutt einen Neubau errichten, der in den folgenden Jahrzehnten immer wieder erweitert wurde.

Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Rheinland jedoch wieder Schauplatz kriegerischer Ereignisse. 1794 besetzten französische Revolutionstruppen die linksrheinischen Gebiete, nachdem sie nördlich von Aldenhoven österreichische Truppen geschlagen hatten. Jüchen wurde in der ersten Oktberwoche von den Franzosen geplündert.
1801 wurden die Länder auf der linken Rheinseite auch völkerrechtlich Frankreich einverleibt. Die ersten Jahre der französischen Herrschaft waren gekennzeichnet durch den Umsturz der bestehenden Ordnung. Die Feudalabgaben wurden abgeschafft, Frondienste und Zehnten fielen fort. Dafür waren die Steuerforderungen der neuen Herren so hoch, daß man sie drückender empfand als die früheren Verpflichtungen. Jüchen wurde eine eigenständige Bürgermeisterei im Kanton Odenkirchen, der zum Arrondissement Krefeld im Roerdepartement gehörte. 1798 hob die französische Verwaltung des Roerdepartements die Verbindung zwischen den evangelischen Gemeinden Jüchen und Kelzenberg auf. Mit der Niederlage Napoleons in Rußland 1812 und der Vernichtung seines neu aufgestellten Heeres in der „Völkerschlacht“ bei Leipzig ging die französische Vorherrschaft in Europa ihrem Ende entgegen. Um die Jahreswende 1813/14 setzten die Truppen der Gegner Napoleons Preußen, Österreicher und Russen über den Rhein. 1815 wurder der größte Teil des Rheinlandes preußisch.

Am 5. April 1815 nahm der König von Preußen, Friedrich Wilhelm III., von den linksrheinischen Gebieten Besitz. Die Bürgermeisterei Jüchen, bestehend aus den Dörfern Jüchen Hackhausen sowie dem zweigeteilten Hahnerhof und dem Roebershof, wurde zunächst der Provinz Cleve & Berg zugeteilt, bis 1816 die Einteilung der Verwaltungsbezirke erfolgte. Fortan gehörte die Bürgermeisterei Jüchen zum Landkreis Grevenbroich im Regierungsbezirk Düsseldorf. Die Verwaltung bestand aus dem Bürgermeister, einem Beigeordneten, zehn Gemeinderäten und einem Rendanten. Bereits im ersten Jahrzehnt der preußischen Herrschaft wurden rechts- und finanzgeschichtlich bedeutsame Änderungen vorgenommen: 1822 wurde der Sitz des Friedensgerichts Bedburdyck nach Jüchen verlegt, 1824 das Grundsteuer-Kataster in der Bürgermeisterei Jüchen eingeführt. Auch das Ortsbild veränderte sich durch den Neubau öffentlicher Gebäude: So wurde 1820 für die katholische Gemeinde ein neues zweigeschossiges Schulgebäude in Fachwerkbauweise an das alte Küstereihaus angebaut. 1835 wurde der Neubau der Synagoge in Angriff genommen, 1836 die Erweiterung der katholischen Schule. Letztere wurde 1837 abgeschlossen. 1837 wurde die steinerne Brücke über den Gemeindebach „über das doppelte breiter gebaut, auch die Wölbung der alten Brücke um 1 Fuß höher gelegt.“ Ferner wurde auf dem Wege nach Rheydt ein massiver Wasserdurchlaß gebaut. 1838 baute auch die evangelische Gemeinde ein neues Schulgebäude. 1839 wurde mit dem Ausbau des Gemeindehauses und dessen Einrichtung zum „Local“ des Friedensgerichtes begonnen, ebenso mit dem Bau der Köln-Venloer Chaussee.

Ab 1843 verkehrte wöchentlich ein Postwagen von Mönchengladbach über Jüchen nach Hürth, später dann bis Köln. Auch in Hinblick auf die Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur kam es im 19. Jahrhundert zu durchgreifenden Veränderungen. War die Bevölkerung zu Beginn des Jahrhunderts noch überwiegend in der Landwirtschaft oder als Hausweber tätig, so änderte sich dies in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rapide: In Jüchen siedelten sich Industriebetriebe an, die überwiegend zur Textilbranche zu zählen sind. 1865 nahm die erste mechanische Textilfabrik der Gebrüder Quack ihren Betrieb auf, die 1879 von dem Fabrikanten Peter Busch übernommen wurde. 1872 gründete August Lindgens seine Kleiderfabrik an der Kölner Straße. Etwas später eröffnete auch die Kleiderfabrik „Gerresheim und Lindgens“. Nicht zuletzt durch diese Industrialisierung erhielt Jüchen 1889 mit der Fertigstellung der Strecke zwischen Mönchengladbach und Grevenbroich einen Anschluß an das Eisenbahnnetz. 1891 entstand eine Ringofenziegelei. 1898 wurde die Jüchener Molkerei an der Bahnstraße errichtet. Im Jahre 1900 wurde die mechanische Weberei Schwartz & Klein gegründet. 1905 war die Bahnverbindung bis Köln fertiggestellt, die bis 1912 zweigleisig ausgebaut wurde. 1910 nahm die Kleiderfabrik Zimmermann ihre Produktion in Jüchen auf. Zwischen 1894 und 1912 erhielt Jüchen einen neuen Sakralbau, der bis heute weithin sichtbar die Silhouette des Ortes prägt: Die katholische Kirche St. Jakobus d. Ä. Sie wurde in zwei Phasen errichtet: Zwischen 1894 und 1898 wurden der Chorraum und ein Teil des Mittelschiffes gebaut, während der Turm der alten Kirche noch stehenblieb. Da die Bevölkerungszahl nach der Jahrhundertwende sehr schnell anstieg, mußte die Kirche erweitert werden. Dieser Erweiterung mußte auch der alte Kirchturm weichen. Von 1910 bis 1912 wurde das Mittelschiff um zwei Joche erweitert und der neue, 67 Meter hohe Westturm vollendet. Der 1. Weltkrieg forderte von Jüchen einen hohen Blutzoll. Nicht weniger als 118 Männer aus der Bürgermeisterei fielen an den verschiedenen Fronten. Nach dem 1. Weltkrieg mußte auch Jüchen eine Besatzung aufnehmen. Die Inflation von 1923 brachte viele, auch in Jüchen, um ihre Ersparnisse. Nur wenige Jahre der wirtschaftlichen Erholung waren den Menschen vergönnt, denn 1929 begann die Weltwirtschaftskrise, in deren Folge Unzählige ihre Arbeit verloren. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 wurden die Freiheiten der Weimarer Republik abgeschafft, Andersdenkende unterdrückt, verfolgt und ermordet. Doch gegen den Totalitätsanspruch der Nationalsozialisten regte sich Widerstand auch in Jüchen. Hier sei auf den evangelischen Pfarrer Haarbeck verwiesen, der seit 1934 in der „Bekennenden evangelisch-reformierten Gemeinde zu Jüchen“ nicht müde wurde, sich gegen die ideologische Unterwanderung der evangelischen Gemeinde mit nationalsozialistischem Gedankengut zur Wehr zu setzen. Im Jahre 1934 erlebte die Gemeinde Jüchen durch die Vereinigung mit der bisher eigenständigen Gemeinde Kelzenberg eine bedeutende Vergrößerung. In den darauffolgenden Jahren hatte vor allen Dingen die jüdische Bevölkerung unter dem NS-Regime zu leiden. Die bereits 1933 einsetzende Ausgrenzung der jüdischen Bürger auch in Jüchen steigerte sich hin zu deren völligen Entrechtung und schließlich Ermordung in den Konzentrationslagern. Im 2. Weltkrieg mußten wieder viele Jüchener ihr Leben lassen, diesmal nicht nur an den Fronten, sondern durch den sich immer mehr steigernden Bombenkrieg auch in der Heimat. Während des Krieges wurden die durch die Einberufungen fehlenden Arbeitskräfte durch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus vielen europäischen Ländern ersetzt. Am 28. Februar 1945 wurde Jüchen von den Amerikanern erobert,
die hier große Sammellager für zumeist polnische Zwangsarbeiter einrichteten. Nach dem Krieg wurden zunächst die Schäden behoben. Nicht nur Privathäuser, sondern auch die katholische Kirche war durch Kriegseinwirkungen stark in Mitleidenschaft gezogen worden. In den darauffolgenden Jahren und Jahrzehnten entwickelte sich das Jüchen, wie es sich heute präsentiert:
1954 wurde der Grundstein zum neuen Kindergarten an der Alleestraße gelegt, der 1955 eingeweiht wird. In den 1950er wurden einige Bauprojekte verwirklicht, in denen u. a. Flüchtlingen aus der DDR eine neue Heimat fanden. 1961 wurde das Getreidesilo der Jüchener Molkerei in Betrieb genommen, das 46 Meter hoch die Umgebung überragt und zu einem markanten Erkennungszeichen Jüchens geworden ist. Ein anderes markantes Bauwerk Jüchens, der Wasserturm, verschwand dagegen 1967. Er wurde wegen Baufälligkeit gesprengt. Im gleichen Jahr wurde die neue evangelische Volksschule eingeweiht. In den 1960er Jahren wurden auch weitere Baugebiete erschlossen. 1975 wurde im Rahmen der kommunalen Neugliederung aus den bis dahin selbständigen Gemeinden Bedburdyck, Garzweiler, Hochneukirch und Jüchen die neue Gemeinde Jüchen gebildet. Durch die Umsiedlungen infolge des Braunkohlentagebaus hat sich auch das Umfeld von Jüchen in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Der Braunkohlentagebau wird sicherlich auch noch im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts eine wichtige Rolle für die Gemeinde Jüchen spielen. Doch angesichts der bewegten Geschichte Jüchens kann man sicher sein, daß „die“ sich stellenden Herausforderungen auch in Zukunft zum Wohle Jüchens gelöst werden.      

Quelle: 1880-2005 – Festbuch des BSHV-Jüchen zum 125 jähigen Jubiläum – Verfasser : Dr. Peter Staatz
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01.05.2012  |  Design © by BSHV-Jüchen  |  Hosted by beulen.com