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Der Einsatz von Pferden im Festzug. Schönes Bild aber auch Gefahr
RITTMEISTER H. ESSER: DIE GEFAHREN SIND BEHERRSCHBAR
Jüchen (27.05.2010) Am vergangenen Wochenende sorgte ein Unfall während des Further Schützenfestes in Neuss für traurige Schlagzeilen: Ein Schwer- und sechs Leichtverletzte forderte ein durchgegangenes Pferd im Festzug. Auch im Jüchener Festzug werden 15 Pferde in der Regimentskommandantur, der Artillerie und dem Reiterzug mitgehen, ein Bild, das kein Schützenfreund missen möchte.

Natürlich birgt der Einsatz von Pferden bei Volksfesten auch Gefahren, wie Rittmeister Helmut Eßer (Foto oben, links), Zugführer des Jüchener Reiterzuges, zugibt. Dennoch: „Man kann sich sehr gut auf das Reiten in einem Festzug vorbereiten und so die Gefahren auf ein absolutes Minimum reduzieren – und das geschieht bei uns in Jüchen seit Jahrzehnten äußerst gründlich und ernsthaft,“ betont der erfahrene Reiter Eßer. „Bevor es aufs Pferd geht, stehen mindestens 20 bis 25 qualifizierte Reitstunden auf dem Programm jedes einzelnen Reiters.“ An diese Vorgaben halten sich auch Schützen, die schon seit vielen Jahren Festzug-Reiterfahrung haben. „Und dann kommen bei uns nur festzugerfahrene Pferde zum Einsatz,“ merkt Eßer an. Neben den Friesen der Kommandantur sind bei der Artillerie vor der Kanone schwere Kaltblüter im Einsatz, ansonsten nur warmblütige Schulpferde. „Das alles sind Tiere, die von ihrem Charakter her schon eher ruhig veranlagt sind,“ so der Rittmeister.

Dann komme es wesentlich auf den Reiter an, der seinem Pferd ebenfalls Ruhe und Gelassenheit vermitteln sollte. Beruhigungsmittel kommen auch zum Einsatz, allerdings nur bei den Tieren, die vor dem Festzug nervöse Züge zeigen. Alle diese Maßnahmen tragen zur Sicherheit in den Festzügen bei. Und dennoch: „100 Prozent Sicherheit kann es nicht geben – schließlich sind Pferde keine programmierten Roboter, sondern sehr menschenfreundliche Lebewesen,“ betont Helmut Eßer. Und er hat in diesem Zusammenhang eine Bitte an die Zuschauer während der Festzüge: „Die Menschen sollten alles vermeiden, was die Tiere im Festzug erschrecken kann. Und die Zuschauer sollten sich gerade auf dem Markt an die Absperrungen halten und nicht unbedacht zwischen unsere Pferde laufen – dann kann eigentlich nichts schiefgehen. Ich freue mich schon auf den Ritt im Festzug – das ist für mich ein Höhepunkt im Schützenjahr,“ sagt Rittmeister Helmut Eßer.

Im Gespräch mit der Neuß-Grevenbroicher Zeitung äußerte sich auch Dr. Heiner Sandmann, Tierarzt und Oberst der Neusser Schützen:
Welche Voraussetzungen muss ein Schütze mitbringen, damit er bei einem Festzug auf's Pferd darf?
"Es gibt keinerlei schriftlichen Festlegungen", sagt Sandmann. Aber alle Schützenvereine haben Mindeststandards, die bestimmte Reit-Fertigkeiten garantieren sollen. Zum Beispiel eine Zahl an Pflichtstunden, die vor dem Fest im Sattel absolviert sein müssen. In Neuss hat Regimentschef Sandmann ein monatliches Reiten der Korpsführer eingeführt.
Welche Pferde sind am besten für den Schützenfesteinsatz geeignet?
"Wunderbar geeignet sind Kaltblüter, die von den Vorreitern geritten werden – sehr ruhige Tiere." Ungeeignet sind Pferde, die "hoch im Blut stehen", wie Rennpferde. Vom Grundsatz her ist das normale Schulpferd richtig, "wenn es oft eingesetzt wird und über Erfahrung verfügt." Weil das Neusser Schützenfest am Saisonende liegt, haben die meisten Reiterpferde schon zehn bis 14 Schützenfesteinsätze hinter sich.
Bekommen die Pferde vor dem Einsatz Beruhigungsmittel verabreicht?
Das ist laut Sandmann "grundsätzlich nicht der Fall". Nur in "Einzelfällen", wenn es eine besondere Situation erfordert.
Spürt das Pferd eigentlich die Unsicherheit eines Reiters?
"Ja, das kann schon sein. Aber man darf auch nicht mit allzu hohen Ansprüchen daran gehen", sagt Sandmann. Es seien keine Dressuren gefragt, die Anforderung an das Pferd besteht darin, "im Schritt einen Weg entlang zu gehen".
Ist eine Begleitung des Reiters durch "Stallmädchen" sinnvoll?
"Auf jeden Fall! Das verlange ich in Neuss von allen Reitern." Auch ein versierter Reiter kann in eine schwierige Situation geraten, zum Beispiel durch Übelkeit, wo er schnell vom Pferd und das Tier in professionelle Hände geben muss.
Wären Schützenumzüge ohne Pferde nicht sinnvoller?
" Solche Diskussionen gibt es bei Radrennen oder der Rallye Paris-Dakar auch nicht, wenn Fahrer ins Publikum geraten", so Sandmann. "Wir vermitteln Traditionen, dazu gehört das Pferd. Wir tun alles, um solche Vorfälle zu vermeiden."
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